Das Heinemann Quartier
Die lokalen Bauunternehmen Heckmann Bauland und Wohnraum und Hugo Schneider investieren in eines der größten Innenstadtprojekte der vergangenen Jahre. Auf dem ehemaligen Kaufhof-Gelände soll ein ganz neues, lebendiges Stadtquartier entstehen. Das Heinemann Quartier zeigt: Hamm traut sich was.
Ein Jahr ist es her, dass Simon Schneider und Franz Venker von der Green Roof Projekt GmbH das 7.400 Quadratmeter große Kaufhof-Gelände in der westlichen Innenstadt kauften. Fünf Jahre stand das Gebäude da bereits leer. 2026 werden nun die Bagger anrollen. Franz Venker schätzt vorsichtig: frühestens Ende des ersten Quartals. Fünf Monate veranschlagt er für den Rückbau, dann startet der Neubau. Die Fertigstellung ist für frühestens 2029 geplant.
Die Investoren kommen aus Hamm: Die Green Roof Projekt GmbH wurde von den Unternehmen Heckmann Bauland und Wohnraum und Hugo Schneider gegründet. Die Geschäftsführer verhandelten zwei Jahre lang mit den Voreigentümern. Dann stimmten sie sich mit der Stadt ab, feilten mit dem Architekturbüro Noweck & Pahmeyer an der Planung. Volker Pahmeyer kennt man in Hamm, zum Beispiel vom Museumsquartier und dem Wassersportzentrum mit R-Café. Diesmal plant er größer.
28.700 Quadratmeter Bruttogrundfläche verteilen sich auf drei Baukörper und eine Hochgarage. Fünf bis sechs Geschosse, geklinkert in Sandstein, orientiert an den Nachbargebäuden. In der Mitte öffnet sich ein Platz nach Süden zur Bahnhofstraße hin. Dort sollen Bäume wachsen, Außengastronomie lädt zum Verweilen ein. Die Hochgarage nimmt 300 bis 400 Fahrzeuge auf und entlastet den innerstädtischen Parkdruck.
Vom Kaufhaus zum Stadtquartier
Was hier entsteht, unterscheidet sich grundlegend vom alten Kaufhof. Mono-Struktur war gestern. „Mixed use“ heißt das Konzept: Büros, Praxen, Gewerbe, Gastronomie, Wohnen. Simon Schneider nennt den Standort in Bahnhofsnähe einen „Rohdiamanten“. Die Gespräche mit Interessenten laufen seit einem Jahr, und sie verlaufen erfolgreich. Besonders Büros und Praxen sind stark nachgefragt.
Baukörper eins mit 6.376 Quadratmetern kann künftig Büros oder Wohnungen aufnehmen, je nach Bedarf. Baukörper zwei bringt auf fünf Geschossen 4.435 Quadratmeter hochwertige Büroflächen mit direktem Zugang zur Garage. Baukörper drei wird lebendig: Unten soll Gastronomie angesiedelt werden, darüber entsteht ein modernes Ärztehaus mit 6.120 Quadratmetern. Die Nachfrage nach Praxisflächen ist groß.
„Mit dem Heinemann Quartier entsteht ein zukunftsweisender Ort für Hamm“, sagt Franz Venker. „Das Quartier verbindet urbane Nutzung, moderne Mobilität und hohe Aufenthaltsqualität und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Innenstadt.“
Wer sich erinnert: Im Westen der Innenstadt prägten einmal vier Kaufhäuser das Bild. Horten, Kaufhalle, TerVeen, Kaufhof. Und davor Müller-Hamm, das 1951 eröffnete und 1972 zum Kaufhof wurde. Alle schlossen. Der Strukturwandel veränderte die Innenstädte, der Online-Handel eroberte Marktanteile. Die Verkaufsfläche in diesem Bereich schrumpfte in wenigen Jahren von 25.000 Quadratmetern auf ein paar hundert. Zurück blieben Lücken. Und Fragen.
Mittendrin
Mit dem Heinemann Quartier wird in der westlichen Innenstadt ein neues Zentrum geschaffen, das den Charakter als Dienstleistungs- und Behördenquartier stärkt.
Das Heinrich-von-Kleist-Forum am ehemaligen Horten-Standort setzte den ersten Impuls. Jetzt folgt das Heinemann Quartier. Dass die Unternehmen Heckmann und Hugo Schneider dieses Projekt gemeinsam stemmen, wiegt schwer. Das Investitionsvolumen bewegt sich im höheren zweistelligen Millionenbereich – eines der bedeutendsten Bauprojekte der letzten Jahre in Hamm.
„Das Heinemann Quartier ist ein Beispiel dafür, wie mutige Investitionen neue Perspektiven schaffen können“, sagt Pascal Ledune, Geschäftsführer der Hammer Wirtschaftsagentur IMPULS. „Es zeigt, dass wir an die Zukunft der Innenstadt glauben – und sie aktiv gestalten.“ Die IMPULS begleitete das Projekt von Anfang an. Gemeinsam mit der Stadt präsentierte sie es auf der ImBau, dann auf der Expo Real in München, wo der Grundstückserwerb im September 2024 offiziell bekannt gegeben wurde.
Grün, effizient, durchlässig
Die Architektur folgt einem klaren Konzept. Skelettbauweise schafft flexible Grundrisse mit über drei Metern Deckenhöhe und viel Tageslicht. Später umnutzen? Funktioniert. Die Dächer werden begrünt, auch das Parkhausdach. Photovoltaik liefert Strom, die Begrünung kühlt die Module und steigert die Effizienz. Entsiegelung und Bäume verbessern das Mikroklima. Barrierefreiheit gilt überall.
Das Mobilitätskonzept setzt auf kurze Wege zum Hauptbahnhof. Autoarm konzipiert, aber nicht autofrei. Fahrradstellplätze ergänzen das Angebot, Carsharing erweitert es, E-Ladestationen versorgen Elektrofahrzeuge. Der zentrale Quartiersplatz öffnet sich nach Süden, gestaltet sich durchlässig. Erste Gespräche mit Systemgastronomen laufen bereits. Grün umgibt die Außengastronomie, Aufenthaltsqualität steht im Fokus – kein Durchgangsraum, sondern ein Ort, der zum Bleiben einlädt.
Meilenstein der Stadtentwicklung
Stadtbaurat Andreas Mentz sieht hier „einen weiteren großen Baustein bei der Erneuerung der westlichen Innenstadt durch die Investition zweier heimischer Unternehmen.“ Die Lücke, die der Kaufhof hinterließ, füllt sich. Der städtebauliche Entwurf lasse „eine hohe Aufenthaltsqualität auf dem Platz wie auch in den Gebäuden erkennen.“
Oberbürgermeister Marc Herter spricht von einem wichtigen Meilenstein: „Die Pläne von Heckmann und Hugo Schneider bieten die Chance, durch moderne Architektur sowie veränderte Nutzung neuen Raum für Begegnungen und mehr Lebensqualität zu schaffen.“ Das Heinemann Quartier fügt sich ein in den Rahmenplan 2030 „Zukunft Bahnhofsquartier“ – als Schlüsselbaustein in 1A-Lage.
Zwei Hammer Unternehmen beweisen Mut. Sie investieren vor Ort, bauen an der Zukunft ihrer Stadt, gestalten aktiv mit.
Aus TerVeen
wird Hotel
Schräg gegenüber, auf dem ehemaligen TerVeen-Grundstück, wird Investor Joachim Jatzkowski aus Soest mit seiner Deck 8 Live & Stay GmbH ein Hotel mit rund 140 Zimmern und Appartements errichten.
Projektgesellschaft und Investition
Projektgesellschaft: Green Roof GmbH & Co. KG
Träger: Heckmann Bauland und Wohnraum GmbH & Co. KG und Hugo Schneider GmbH
Architektur: Noweck & Pahmeyer
Investition: hoher zweistelliger Millionenbetrag
Gebäude im Überblick
Grundstücksfläche: 7.400 m²
Bruttogrundfläche: ca. 28.700 m²
Gebäude: drei Baukörper + Hochgarage
Nutzung: Büros, Praxen, Gastronomie, Wohnen
www.heinemann-quartier.de
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02/2025