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IMPULS.DIGI 01/2024
Das Online­magazin

Nach­haltigkeit & Green Economy

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

Nachhaltig zu wirtschaften ist kein Selbstzweck, sondern eine Haltung. Verantwortung übernehmen, nach Lösungen suchen, die die Welt Stück für Stück möglicherweise ein kleines bisschen besser machen, dabei aber auch Prozesse im Unternehmen effizient gestalten, Ressourcen schonen und quasi im Nebeneffekt auch noch Geld einsparen. All das ist nachhaltiges Wirtschaften.

Es geht aber auch um „Social Responsibility“, also um die Verantwortung für uns, für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und für künftige Generationen. Viele Unternehmen in Hamm machen das schon, sind intrinsisch motiviert oder haben den Anspruch, Vorreiter zu sein. Dabei geht es oft gar nicht um die ganz großen Dinge, sondern um die kleinen Schritte.

In diesem Magazin zeigen wir Ihnen unterschiedliche Aktivitäten aus Hamm, die sich um die Themen Nachhaltigkeit und Green Economy drehen. Sehr spannend finde ich das Start-up LebensWert Gastgeber, das erfolgreich zeigt, dass auch Kantinenessen nachhaltig und gesund funktionieren kann. Klaus Richter und Christoph Kleinhans haben in kürzester Zeit deutschlandweit für Furore gesorgt und erzielen bereits Millionenumsätze.

Wir werfen aber auch einen Blick auf die Mühlenwerke Jäckering, die sehr stark im Bereich F&E unterwegs sind und beim Aufspalten von Weizen immer mehr Ideen entwickeln, wie die Stärke, die dabei gewonnen wird, in neuen Feldern eingesetzt werden kann. Häufig können nämlich auch Produkte, die auf Erdölbasis basieren, durch solche auf Stärkebasis substituiert werden. Nachwachsende Rohstoffe aus der Region, um künftig erdölbasierte Produkte zu ersetzen – das ist ein wunderbares Beispiel für Nachhaltigkeit.

In diesem Jahr sind wir übrigens Mitveranstalter von Green House Ruhr, ein Ideen- und Gründungsprogramm der Wirtschaftsförderung Dortmund, mit dem nach Lösungen für nachhaltiges und soziales Wirtschaften gesucht wird. Im Mittelpunkt stehen Geschäftsideen, bei denen es um soziale Verantwortung geht und nicht um den maximalen wirtschaftlichen Erfolg, wo Menschen einen Beitrag für die Gesellschaft leisten wollen, ohne nur an Rendite und Gewinn zu denken. Ich freue mich sehr, dass von den zwölf Bewerbungen, die eingegangen sind, drei aus Hamm stammen.

Ach ja, die kleinen Schritte. Das kann auch jeder selbst. Wann waren Sie das letzte Mal auf unserem Wochenmarkt? Rund um die Pauluskirche gibt es hervorragende Qualität aus der Region. „Buy local“ – nachhaltiger geht es kaum.

Zum Schluss eine sehr traurige Nachricht aus der IMPULS: Unsere langjährige Kollegin Anika Braun ist nach schwerer Krankheit viel zu früh mit nur 44 Jahren gestorben. Sie war eine geborene Netzwerkerin und daher vielen von Ihnen bekannt. Sie wird uns und mir mit ihrer offenen, lustigen und lebensbejahenden Art sehr fehlen. R. I .P. Anika.

Ihr

Pascal Ledune

Gutes Essen für alle

Großküchen sollen zu nachhaltigeren Gastgebern werden. Mit dieser Idee gründeten Klaus Richter und Christoph Kleinhans im vergangenen Jahr die LebensWert Gastgeber GmbH. Ihr Umsatz im ersten Jahr: 4 Millionen Euro.

Klaus Richter und Christoph Kleinhans, langjährige Kollegen und Freunde, verbindet eine Vision: „Wir wollen jeden Tag ein Stück nachhaltiger werden“. Richter stammt aus Hamm, Kleinhans aus dem Allgäu. Im Januar 2023 sind die beiden in Hamm mit der LebensWert Gastgeber GmbH an den Start gegangen. Und das sehr erfolgreich.

Ihr Unternehmen managt unter anderem in Castrop-Rauxel eine Großküche unter der Trägerschaft des Evangelischen Verbunds Ruhr. Von dort aus werden Krankenhäuser, Seniorenheime und Kindertagesstätten mit gesundem und nachhaltigem Essen versorgt. Rund 1500 Gerichte verlassen schon jetzt täglich die Küche.

Wachstum im Blick

Zum Sommer wird die Zahl der Gerichte auf 4.000 Gerichte steigen. Aber die beiden Gründer denken größer: „Die Küche hier in Castrop-Rauxel kommt erst bei 7000 Essen an ihre Grenzen.“ Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beim Evangelischen Verbund Ruhr beschäftigt. Die LebensWert Gastgeber GmbH managt den Rahmen für die Großküche. Das Kernteam der GmbH umfasst lediglich zehn Köpfe. Außerdem sind für Klaus Richter und Christoph Kleinhans weitere Standorte denkbar. Dabei schauen sie vor allem Richtung Hamm, Firmensitz und Wohnort von Klaus Richter: „Eine Großküche in Hamm wäre ein Traum.“

Die Rollen zwischen den Gründern sind klar verteilt. „Er ist der Koch, ich bin der Kopf“, sagt Klaus Richter in Richtung seines Sitznachbarn. Beide lachen. Tatsächlich ist Klaus Richter gelernter Hotelfachmann, der in den letzten 15 Jahren einen großen Caterer geleitet und entwickelt hat und in der Branche weiß, worauf es ankommt. Genauso gut weiß er, was er nicht mehr will: Gerichte, die nur heiß gemacht werden. Nahrung ohne Nährwert. Künstliche Geschmacksstoffe.

Qualität ist nicht verhandelbar

Die Gründer beweisen, dass es selbst in einem hart umkämpften Markt möglich ist, mit Nachhaltigkeit und Qualität zu punkten. Auch die Kunden der LebensWert Gastgeber GmbH haben begrenzte Budgets. Klar ist aber, dass frisches und gesundes Essen im Wettbewerb den entscheidenden Unterschied machen kann – zumal die Gerichte der LebensWert Gastgeber GmbH nur unerheblich teurer sind.

„Bei uns ist fast alles verhandelbar - nur nicht die Qualität“ –  betont Christoph Kleinhans.

Storybild Lebenswert Klaus Richter
Storybild Lebenswert Christoph Kleinhans


Fotogalerie: © René Golz


Über die Jahre in der Gastronomie- und Lebensmittelbranche haben sie sich ein großes Netzwerk aufgebaut. Viele Partner kommen aus Hamm. „Wir arbeiten unter anderem mit Manns und Rullko zusammen“, sagt Klaus Richter. Er selbst wohnt in Wiescherhöfen und pendelt regelmäßig die fünfzig Kilometer nach Castrop-Rauxel. Natürlich voll elektrisch.

Das Auge isst mit – auch im Krankenhaus

Klaus Richter und Christoph Kleinhans öffnen gerne die Türen zu ihrer Küche – sofern die Haare unter einem Häubchen hygienisch verdeckt und die Schuhsohlen mit blauen Füßlingen überzogen sind. Der weiße Schutzkittel ist aus recyceltem Material gefertigt. Hinter schweren Metalltüren im Lager sind die frischen Zutaten gestapelt: reihenweise Joghurts, Obstkisten, Gemüse und Fleisch. Im Eingang zur Küche steht eine große Bratstrasse. „Heute gibt es frische Reibeplätzchen“, erklärt Klaus Richter. In einem weiteren Raum zeigt er uns Förmchen: „Damit bringen wir püriertes Essen wieder in seine Ursprungsform. Wir kochen hier für Menschen – deshalb servieren wir die Gerichte auch menschenwürdig. Das Auge isst schließlich mit.“ Aus dem gleichen Grund hat sich der Betrieb für farbiges Geschirr entschieden. Das Essen im Krankenhaus soll nicht nach Krankenhausessen aussehen.

Die Küche ist für die beiden Gründer auch eine Art Labor, in dem an neuen Rezepten getüftelt wird. Gerne werden dabei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen hinzugerufen, zum Beispiel, wenn es um ausländische Spezialitäten geht. „Wenn das Unternehmen wüsste, was das Unternehmen alles weiß“ zitiert Klaus Richter einen Buchtitel zum Wissensmanagement. Die Einbeziehung des Teams bereichert nicht nur das Küchenangebot, sondern führt auch zu mehr Spaß bei der Arbeit. „Viele Kolleginnen und Kollegen haben bei uns die Lust am Kochen zurückgewonnen“, erzählt Klaus Richter.

Verantwortung tragen

Wo es möglich ist, greifen die Gründer auf Bio-Produkte zurück. Oft verarbeiten sie Produkte, die wegen optischer Mängel nicht im Supermarkt verkauft werden und daher günstiger sind. Um weniger Lebensmitten zu verschwenden, nutzen die Gründer Apps wie „Too good to go“. Die Gründer halten bei ihren Produkten den ökologischen Fußabdruck nach. Deshalb versuchen sie, so oft wie möglich auf Fleisch zu verzichten.

Die Gründer halten bei ihren Produkten den ökologischen Fußabdruck nach. Deshalb versuchen sie, so oft wie möglich auf Fleisch zu verzichten.

„Ganz ohne geht es für uns nicht“, sagt Klaus Richter. „Dafür schmeckt es einfach zu gut. Aber wir wissen, dass wir Verantwortung tragen – und dieser Verantwortung versuchen wir gerecht zu werden.“ Jeden Tag ein bisschen mehr.

Storybild Lebenswert Koch
Storybild Lebenswert Führungsteam
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Alles aus Weizen

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Die Jäckering Mühlenwerke machen vor, wie sich ein mittelständischer Industriebetrieb dem Wandel der Zeit stellt. „Die wirklich spannenden Jahre liegen noch vor uns,“ sagt die kaufmännische Geschäftsführerin Julia Laudenbach. „Wir werden Neuland betreten.“

Dabei hat Jäckering gerade erst massiv in die Modernisierung und Erweiterung des Standorts am Hammer Hafen investiert: 120 Mio. Euro seit 2018, inklusive neuem Gleisanschluss und Blockheizkraftwerk. Die Produktionskapazitäten werden damit von 300.000 Tonnen Weizen jährlich auf 600.000 Tonnen verdoppelt, mit Erweiterungsoption auf 900.000 Tonnen. Aktuell wartet der Betrieb auf den neuen, elektrobetriebenen Verladekran. „Es steht nur noch die Genehmigung für den Schwerlasttransport aus“, berichtet Jan Zillmann, technischer Geschäftsführer. Die Weiche für den neuen Gleisanschluss liegt bereits zur Montage bereit.

Bei der Firma Jäckering mit rund 150 Beschäftigten in Hamm dreht sich alles um Weizen: Das Korn wird mit Mühlen aus eigener Produktion und Entwicklung zu Mehl gemahlen. Das wird in der eigenen Stärkefabrik in seine Bestandteile extrahiert: Stärke, Weizenproteine und ein flüssiger Rest, die sogenannten Nebenströme.

Weggeworfen wird hier nichts: „Wir sind ein abfall- und abwasserfreier Betrieb“, erklärt Jan Zillmann. Die Stärke wird zum Großteil in die Papierindustrie verkauft, die nährstoffreichen Nebenströme und Proteine gehen in die Schweinemast, die Weizenschalen (Kleie) sind ein begehrtes Rinderfutter.

Aktuell ist Stärke für die Papierindustrie das wichtigste Handelsgut von Jäckering. Die Papierindustrie braucht die langkettigen Glukoseverbindungen aus dem Weizen, um mehr Altpapier verarbeiten zu können. Sonst werden Kartons nicht stabil. Für die Zukunft könnten jedoch die Nebenströme zum Game Changer werden. Als Schweinefutter sind die nämlich eigentlich viel zu schade. Stattdessen könnten aus den Nebenströmen Produkte für die chemische Industrie gewonnen werden.

Daran arbeiten Forschungsleiter Dr. Felix Bischoff und die Biotechnologin Litwinska Katarzyna im Technikzentrum des Betriebs. „Aus den Nebenströmen können wir Grundstoffe für die chemische Industrie gewinnen“, erklärt Bischoff. „Zurzeit wird dafür vor allem Erdöl und Erdgas gebraucht. Wir können einen Beitrag dazu leisten, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zur verringern.“ In kleinem Maßstab verkauft Jäckering diese Grundstoffe bereits an Chemiewerke. In Zukunft soll das deutlich mehr werden.

Innovativ waren die Mühlenwerke schon immer. So setzt der der familiengeführte Betrieb seit 1955 hochspezialisierte Luftwirbelmühlen ein, die in der eigenen Forschungsabteilung entwickelt wurden. Die Altenburger Maschinen Jäckering GmbH baut solche Mühlen für ganz verschiedene Anwendungszwecke auf dem ehemaligen Thyssen-Gelände. Die gleichzeitige Mahlung und Trocknung erlaubt die Vermahlung ganz unterschiedlicher Stoffe, ob Lacke, Gummi, Algen oder auch Ingredienzen für Parfums. Auch klebrige oder explosionsgefährdete Stoffe können mit den Mühlen von Jäckering zerkleinert werden.

Der Verkauf von Mehl spielte eine immer geringere Rolle und wurde 2017 endgültig eingestellt. Seitdem steht die Stärkefabrik im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit. Die Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten war durch die rasant steigende Nachfrage nach Recycling-Karton möglich. „Dieser Markt wächst weiter, Karton wird immer gebraucht. Doch wir werden die Wertschöpfung des wertvollen Rohstoffes Weizen weiterentwickeln und auch in Zukunft ein Innovationstreiber bleiben“, sagt Julia Laudenbach. „Wir wollen weiter investieren und wenn möglich expandieren.“

Storybild Jäckering Geschäftsleitung Julia Laudenbach
Jaeckering Storybild Belieferung


Fotogalerie: © Nico Schmitz


Eigenes Blockheizkraftwerk

Die Rahmenbedingungen dafür sind – wie für die meisten mittelständischen, energieintensiven Industriebetriebe - nicht einfach. „Energiepreise, Bürokratie und Fachkräftemangel sind Themen, wo sich etwas bewegen muss“, sagt Julia Laudenbach. „Wir engagieren uns in Verbänden und Arbeitskreisen, um deutlich zu machen, was wir brauchen. Die Politik muss pragmatischer werden und mehr direkt mit den Unternehmen reden.“ Als Beispiel nennt sie den Deutschtest als Einstellungsvoraussetzung. „Ich rede die längste Zeit des Tages Englisch, und die Basiskommunikation auf dem Firmengelände erledigen wir Learning bei Doing. Wozu der Deutschtest? Wir brauchen die Fachkräfte jetzt.“

Jan Zillmann führt als weiteres Beispiel die Gesetze zum Bioethanol auf, die sich in den letzten Jahren mehrmals geändert haben: „Es nützt uns nichts, wenn Produkte gehypt, verteufelt und dann wieder gehypt werden. Wir müssen wissen, ob es sich lohnt, zu ­investieren.“

Um den steigenden Energiepreisen zu begegnen, optimiert der Betrieb seinen Verbrauch, wo er kann. Das eigene Blockheizkraftwerk mit 14 MW Leistung wird mit Erdgas betrieben, die Abwärme wird für

die Trocknung des Weizens eingesetzt. ­Längerfristig hofft Jan Zillmann auf Wasserstoff als Energieträger. Trotz des hohen Energieverbrauchs ist der CO2-Abdruck der Produkte, die Jäckering vertreibt, negativ. Als nachwachsender Rohstoff entzieht der Weizen der Atmosphäre so viel Kohlendioxid, dass sie den Energieverbrauch mehr als ausgleicht.

Der Weizen gelangt zum großen Teil umweltfreundlich per Schiff und Bahn zu Jäckering. Die Lage am Kanal zwischen den großen Weizenanbaugebieten im Osten und den industriellen Abnehmern im Westen ist für das Unternehmen ein bedeutender Standortvorteil. Das große Futtermittelmischwerk direkt neben der Getreidemühle, ein Kooperationsprojekt von Jäckering mit Raiffeisen, konzentriert die Warenströme an einem Ort. So werden Transportwege verkürzt, Leerfahrten von LKW vermieden und Hamm als agrarlogistischer Knotenpunkt gestärkt. „Der Ausbau des Kanalhafens und vor allem des ehemaligen Rangierbahnhofs bietet uns und dem Standort Hamm große Chancen“, glaubt Zillmann.

Trotz aller Herausforderungen blicken Zillmann und Laudenbach optimistisch in die Zukunft. „Wir sind kreativ, flexibel, aktiv“, betont Julia Laudenbach. „Es sind die typischen Vorteile eines mittelständischen Betriebs. Unsere Türen stehen offen, wir reden mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, profitieren von ihren Ideen, können auf ihre Solidarität setzen.

So finden wir immer wieder Lösungen, auf die andere nicht so schnell kommen.“

Storybild Jäckering Geschäftsleitung Julia Laudenbach und Jan Zillmann
Jäckering Storybild in der Produktionshalle
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Vom Salatkopf bis zur Wildpastete

Wer Wert auf gutes Essen legt, kauft auf dem Hammer Wochenmarkt an der Pauluskirche ein. Nirgends sonst in Hamm findet man Fisch und Fleisch in solch hervorragender Qualität, nirgends sonst so viel knackig frisches Gemüse aus regionalem Anbau.

Ob es um Ziegenkäse oder Grünkohl, Oliven oder Trockenfrüchte geht: Die Markthändlerinnen und -händler wissen, was sie verkaufen: zum Teil weil sie es mit eigenen Händen gepflanzt und ausgegraben haben, zum Teil weil sie sich mit Fachkenntnis und Leidenschaftfür gute Ware immer wieder auf die Suche begeben. „Ich mag Delfine sehr, daher gibt es bei mir nur Thunfisch aus Leinenfang“, sagt Fischhändler Karl-R. Heitze, und Imker Hubertus Beckmann weiß zu jedem Glas Honig eine besondere Geschichte.

Dreimal in der Woche – dienstags, donnerstags und samstags – bauen sie auf dem historischen Marktplatz in der Innenstadt ihre Stände auf. Dienstags und donnerstags ist der Markt von 8 – 13 Uhr geöffnet, samstags von 8 – 14 Uhr. Am Samstag ist am meisten los. Dann wird der Markt auch zum Treffpunkt, den viele mit einem Besuch der umliegenden Cafés und Eisdielen, Kneipen und Restaurants verbinden.

Daneben finden auch in Hamms Stadtbezirken Wochenmärkte statt: mittwochs in Heessen, Herringen und Bockum-Hövel, donnerstags in Wiescherhöfen, freitags in Rhynern, Bockum-Hövel und Hamm-Süden und samstags in Heessen und Werries.

Typisch Hammer Mischung

Mit der Auswahl und auch der Qualität des Angebots auf Hamms Samstagmarkt können nicht viele Städte mithalten. Die spezielle Hammer Mischung macht es – eine bunte Mischung mit gelben Rüben und feinen Jakobsmuscheln, Bienenstich aus dem Sauerland und Iberico-Filet aus der Extremadura. Diese Mischung kommt zustande, weil Hamm sowohl für die landwirtschaftliche Direktvermarktung als auch den Spezialitätenhandel attraktiv ist. Einerseits ist die Hammer Innenstadt nicht weit entfernt von Äckern und Gartenbaubetrieben, der Markt hat eine lange Tradition. Andererseits trifft der Spezialitätenhandel hier auf eine beachtliche Nachfrage, die durch stationäre Fachgeschäfte in Hamm nicht bedient wird – Käse- und Fischhandlungen sind zwei Beispiele.

Storybild Wochenmarkt Werner Stein
Stoeybild Wochemarkt Besucher
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Im Gespräch verraten die Händler:innen gerne, was ihre Ware so besonders macht und wie man sie am besten verarbeitet. Warum ist Waldhonig so herzhaft? Welche alte Kartoffelsorte eignet sich am besten für leckere Reibekuchen?

Die fachkundige Beratung ist ein Pluspunkt, den die Kundschaft zu schätzen weiß.

Um immer wieder neue Menschen anzusprechen, initiieren die Händler zusammen mit dem Stadtmarketing regelmäßig besondere Aktionen. Das können Attraktionen vor Festtagen sein, zum Beispiel vor Ostern oder auch dem Valentinstag. Das Spargel- und das Kartoffelfest markieren Höhepunkte im landwirtschaftlichen Jahreslauf. Sehr gut kommt auch das „gesunde Marktfrühstück“ an, bei der Schulkinder gemeinsam mit Ernährungsberaterin Maria Horn auf dem Markt einkaufen und frühstücken.

www.wochenmarkt-hamm.de

Storybild Wochenmarkt Karl-r. Heitze

GUT
FÜR DIE
INNENSTADT,
GUT FÜRS UMLAND,
GUT FÜR HAMM.

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In die Zukunft gedacht – wie Wasserstoff Hamm zur Vorzeigestadt nachhaltiger Energieversorgung macht

Storybild Trianel Unternehmensaufnahme

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erklärt es so: „Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden.“ Doch wie kann dieses Ziel erreicht werden, wenn der menschengemachte Klimawandel bereits allgegenwärtig ist?

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hat sich die Staatengemeinschaft das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen. Um dies zu erreichen, muss der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen drastisch reduziert werden. Deutschland strebt an, bis 2045 treibhausgasneutral zu sein. Dies erfordert eine Dekarbonisierung der Energie und Rohstoffversorgung, also den Verzicht auf fossile Brennstoffe.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei Wasserstoff. Wasserstoff kann die CO2-Emissionen wie kein anderes Element in Industrie, Kraftwerken und Schwerlastverkehr verringern, – wenn er in einem Elektrolyseur klimaneutral, also „grün“, hergestellt wird. Dafür sind Know-how, klimaneutraler Strom, Wasser und der Wille zur Veränderung in der Energieproduktion erforderlich.

In Hamm hat man bereits vor Jahren erkannt, dass die Region die besten Voraussetzungen bietet. Die Stadtwerkekooperation Trianel kann mit dem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Hamm-Uentrop (TGH) sowohl Know-how, Infrastruktur als auch hochreines Wasser für die Elektrolyse beisteuern. „Außerdem sind wir uns als Stadtwerke Hamm mit Trianel und der Stadt einig, dass wir endlich handeln müssen, um die Klimaziele für 2045 zu erreichen“, zeigt Reinhard Bartsch, Geschäftsführer der Stadtwerke Hamm, deutlich den Willen zur Veränderung. Die Gründung des Wasserstoffzentrums Hamm (WZH) auf Initiative der Stadtwerke Hamm und Trianel hin war 2021 die Konsequenz dieser Willensbekundung. Inzwischen sind als Gesellschafter sowohl die Bochumer als auch die Dortmunder Stadtwerke eingestiegen. Der Plan: „Das Wasserstoffzentrum wird in direkter Nachbarschaft zum Gaskraftwerk einen Elektrolyseur mit einer Leistung von 20 Megawatt, der bis zu 1.500 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren soll, bauen“, erklärt Tobias Grosser, Projektleiter des WZH. Der Strom für die Elektrolyse wird entweder aus Windkraftwerken oder Photovoltaikanlagen oder idealerweise aus neuen Windkraftwerken in der Region Hamm kommen. Dafür werden mit den Betreibern der Erneuerbare-Energien-Anlagen sogenannte Power-Purchase-Agreements (PPAs) abgeschlossen, um die Versorgung des WZH mit grünem Strom sicherzustellen.


Fotogalerie: © Heinz Feußner


Die Abwärme aus der Elektrolyse könnte in Zukunft ebenso wie die Abwärme des Kraftwerks als Fernwärme zur Versorgung des Hammer Ostens dienen.

Dies wird umso lohnender, je mehr Elektrolyseure gebaut werden. „Denn wir denken hier in die Zukunft – und damit auch an mehr als nur einen Elektrolyseur“, so Reinhard Bartsch.

Das Konzept des Wasserstoffzentrums Hamm überzeugte auch Klima- und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur: Vor Kurzem erhielt das Wasserstoffzentrum eine Förderung in Höhe von 17,5 Millionen Euro vom Land, auch weil das Konzept als Vorlage für andere kommunale Projekte dieser Art dienen kann.

Zusätzlich macht Trianel – unabhängig vom Elektrolyseur – sein Kraftwerk „H2 ready“ – um Wasserstoff verarbeiten zu können, der über das geplante bundesweite Wasserstoffkernnetz angeliefert wird. „Der geplante Elektrolyseur des WZH ist für unsere Anforderungen im Gaskraftwerk schlicht zu klein, daher ist der Bezug von Wasserstoff über eine Pipeline notwendig“, erklärt Dr. Martin Buschmeier, Geschäftsführer des Trianel Gaskraftwerks Hamm.

Nach der Ertüchtigung beider Kraftwerksblöcke, bei der auch die Grundlage für die Wasserstofffähigkeit des Kraftwerks gelegt wurde, steht nun die Planung für einen dritten wasserstofffähigen Block an. Voraussetzung dafür sind verlässliche Planungs- und Investitionsbedingungen der Bundesregierung, ohne die sich dieses Projekt nicht realisieren lässt. Diese Rahmenbedingungen in Form eines Ausschreibungsmodells hat die Bundesregierung schon 2023 in der sogenannten „Kraftwerksstrategie“ angekündigt; die konkreten Eckpunkte stehen allerdings noch aus. Für das Vorhaben in Hamm-Uentrop ist als nächster Schritt die Gründung einer Projektgesellschaft mit diversen Partnern unter Führung der Stadtwerke Hamm vorgesehen, die die weitere Projektentwicklung übernehmen und an den geplanten Ausschreibungen teilnehmen könnte.

Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit können am Trianel-Kraftwerk diverse Synergien genutzt werden: „Freie Fläche für den Elektrolyseur und die nötige Infrastruktur in Form von Netzund Gasanschlüssen sind bereits vorhanden“, weiß Dr. Martin Buschmeier. „Im zweiten Halbjahr 2026 könnte der Elektrolyseur die ersten lokal produzierten Wasserstoffmengen bereitstellen“, ergänzt Tobias Grosser. Der Bauantrag wird in wenigen Wochen gestellt, die Genehmigung wird für Ende des Jahres erwartet, der Baustart kann 2025 erfolgen.

Hauptabnehmer des Wasserstoffs werden der öffentliche Nahverkehr, die Logistikbranche und Industriebetriebe in der Region sein. „Die Stadtwerke Hamm haben bereits 30 Wasserstoffbusse bestellt, die im kommenden Jahr ausgeliefert werden sollen“, so Reinhard Bartsch. Ihr Einsatz macht aber erst Sinn, wenn der Wasserstoff diese Busse auch klimaneutral erreichen kann. Vorerst ist die Hoffnung, dass Gashändler schon ab 2025 grünen Wasserstoff in ausreichender Menge liefern können. Geplant ist, den Hammer Wasserstoff per Trailer, das sind spezielle LKW-Anhänger, vom Elektrolyseur zur Betriebstankstelle der Busse zu transportieren. Visionär dagegen ist, nicht mehr benötigte Gashauptleitungen des Stadtwerke-Netzes zu nutzen, zum Beispiel um weitere Gewerbegebiete wie den Hafen oder Wasserstofftankstellen an das Wasserstoffnetz anzuschließen.

Es ist viel Visionäres dabei, manche Planungen sind – wie bei Pilotprojekten üblich – noch unklar oder ungewiss. Sicher ist aber, dass Hamm und die Region in Sachen Wasserstoff eine Vorreiterrolle innehaben. „Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird es uns gemeinsam gelungen sein, in Hamm eine nachhaltige Produktion von grünem Wasserstoff aufzubauen, von der die ganze Region profitiert“, verspricht Reinhard Bartsch unter Zustimmung von Dr. Martin Buschmeier und Tobias Grosser.

Storybild Trianel Projektleiter und Geschäftsführer
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