Wie Unternehmen PV-Strom durch Energy Sharing und KI effizient nutzen können
Veröffentlicht am: 2. Juli 2026
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Die Energiewende im Mittelstand nimmt an Fahrt auf, wirft aber auch neue bürokratische und technische Fragen auf. Dass das Interesse an praxisnahen Lösungen riesig ist, zeigte die Informationsveranstaltung „PV-Strom effizient nutzen“, die am vergangenen Dienstag bei der Bernhard Heckmann GmbH & Co. KG in Hamm stattfand. Mit 26 teilnehmenden Unternehmensvertretern war der Veranstaltungsraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Eingeladen hatte die Wirtschaftsförderung IMPULS Hamm.
Energy Sharing seit Juni möglich – Umsetzung bleibt komplex
Ein zentrales Thema des Nachmittags war das brandneue „Energy Sharing“, das Constanze Adolf (items gmbh) vorstellte. Durch die jüngste Umsetzung einer EU-Richtlinie in deutsches Recht ist das gemeinschaftliche Teilen von Strom mit Nachbarunternehmen oder Privatpersonen gemäß § 42c EnWG seit dem 1. Juni 2026 offiziell erlaubt. Die bürokratischen und technischen Hürden sind allerdings hoch. Der Weg zum geteilten Strom erfordert eine komplexe Abstimmung zwischen der erzeugenden Einheit, den Stromabnehmern, dem ursprünglichen Stromlieferanten und dem Direktvermarkter. Zudem sind technische Voraussetzungen wie intelligente Messsysteme (Smart Meter) zwingend erforderlich. Bis zur flächendeckenden Praxisnutzung wird es noch dauern: Die Stromnetzbetreiber benötigen schätzungsweise noch mehrere Monate für die Umsetzung, da die dafür notwendigen Softwareanwendungen aktuell erst programmiert werden. Energy Sharing sei künftig eine gute Ergänzung, stehe beim Aufsetzen der Verträge jedoch noch ganz am Anfang.
Eigenverbrauch schlägt Einspeisung: KI-Energiemanagement senkt Kosten
Grundsätzlich gilt weiterhin die Regel: Der selbst im eigenen Betrieb verbrauchte Solarstrom ist wirtschaftlich deutlich wertvoller als die bloße Netzeinspeisung. Um den PV-Strom optimal zu nutzen und exakt zu berechnen, wie viel Energie überhaupt geteilt werden kann, ist ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS) unverzichtbar. Frank Pestke (enmacs gmbh) demonstrierte anhand eines Praxisbeispiels, wie ein solches KI-gestütztes System die Energieflüsse im Mittelstand vollautomatisch regelt und optimiert. Durch die gezielte Steuerung lassen sich teure Lastspitzen vermeiden und die Energiekosten massiv senken.
Sektorenkopplung als Schlüssel
Wie die konkrete Verteilung und Speicherung der Energie im Betrieb aussehen kann, zeigten die Experten der Werkbank Sektorenkopplung vom Institut für Sektorenkopplung in der Energiewende (ifsk) der Hochschule Hamm-Lippstadt. Um Lastspitzen zu kappen und den Solarstrom optimal im Unternehmen zu verteilen, eignen sich neben modernen Batteriespeichern vor allem steuerbare Verbraucher wie Klimaanlagen, Wärmepumpen und die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität.
Nach der Begrüßung durch Lissy Pudollek (IMPULS Hamm) und den fachlichen Impulsen nutzten die 26 Teilnehmer die abschließende Diskussionsrunde intensiv, um individuelle Fragen zu klären und sich beim Netzwerken über erste eigene Praxisansätze auszutauschen.